Die Gründung der Spar- und Darlehnskasse Visbek

“So geiht dat nich wieder. Wie möt us all tohopeschluten. Wer Geld hett, de mot dat nao us herbringen. Hei krigg dor Zinsen för- und wie köntt ännere, dei in Not sünd, mit dat Geld helpen".

 

Das waren nicht nur die Gedanken, sondern auch die Worte der Gründer der Spar- und Darlehnskasse Visbek im November 1896. Die Gründung fiel in eine Zeit des totalen wirtschaftlichen Umbruchs. Als Folge der französischen Revolution (1789) war die alte Wirtschaftsweise sowohl im Handwerk wie in der Landwirtschaft am Boden zerstört. In der Not dieser Zeit, im Kampf gegen Geldmangel und Kreditnot, entwickelte sich das Genossenschaftswesen. Es entstanden Kreditgenossenschaften, sogenannte Vorschußvereine, aus denen sich nach der Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen die Spar- und Darlehnskassen entwickelten.

 

Raiffeisen, 1818 in Neuwied geboren und 1888 gestorben, ist der eigentliche Gründer der Spar- und Darlehnskassen. In unserer Heimat waren die wirtschaftlichen Verhältnisse damals nicht anders, die bäuerliche Bevölkerung brauchte Geld für die Umstellung der Wirtschaftsform, für Maschinen und Geräte, für Düngemittel und Saatgut, zum Bau von Scheunen, Stallungen und Wohnhäuser. In Vechta war schon 1894 ein Spar- und Darlehnskassenverein gegründet worden. Davon hatte man nicht nur in Visbek gehört, sondern es waren auch Visbeker, die von dort mit betreut wurden . So nahm es kein Wunder, daß 1896 in Bakum, Vestrup und Visbek eigene Spar- und Darlehnskassenvereine gegründet wurden. Dem Bauer in Visbek und Rechterfeld war der Rendant in Vechta nicht bekannt, er ließ daher sein Geld lieber im Strumpf oder im Bettstroh. Da war es schon gut, daß „vor Ort" ein Geldinstitut gegründet wurde. Nach der Devise, jeder kennt jeden, war das eine gute Grundlage.

 

Pfarrer August Zerhusen, Vikar Georg Salen und Schulvikar Hermann Wallenhorst aus Rechterfeld gehörten mit zu den Gründern der Bank, die sich am 8. November 1896 vollzog. 81 Bürger traten als Mitglied in den Verein ein.

 

Im Gründungsprotokoll heißt es:

„Durch Unterzeichnung der Statuten bildete sich heute der Visbeker Spar- und Darlehnskassenverein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Die Mitglieder traten sofort zur ersten Generalversammlung zusammen und wählten Gemeindevorsteher Johann Gerhard Batke zu ihrem Vorsitzenden. Nachdem dieser Hermann Wallenhorst zum Protokollführer, sowie den Zeller August Beneke aus Hagstedt und Pächter Heinrich Büttner aus Erlte zu Stimmzählern ernannt hatte, wurden mit absoluter Mehrheit gewählt:

 

Mitglieder des Vorstandes:

Auktionator Caspar Blömer, Visbek, zugleich als Vereinsvorsteher;

Kaufmann Georg Diersen, Visbek, zugleich als Stellvertreter des Vereinsvorstehers;

Zeller Clemens Pundt, Erlte,

Zeller Heinrich Kock, Varnhorn und

Pächter Heinrich Stubbe, Astrup.

 

Zum Rendanten wurde Haussohn Clemens Engelmann gewählt.

 

Mitglieder des Aufsichtsrates wurden:

Zeller August Beneke, Hagstedt, gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrates;

Vikar Georg Salen, Visbek, als Stellvertreter des Vorsitzenden;

Zeller Heinrich Gotting, Norddöllen;

Zeller Bernhard Suing, Hogenbögen;

Schulvikar Hermann Wallenhorst, Rechterfeld;

Zeller Julius Koke, Endel.

 

Die Gewählten waren alle anwesend und nahmen die Wahl an."

 

In dem Protokoll von vor über hundert Jahren heißt es weiter:

”Das Betriebskapital des Vereins (aufzunehmender Gelder) wird vorläufig auf 200.000 Mark festgesetzt, der Höchstbetrag auszuleihender Gelder an eine Person beträgt 10.000 Mark. Der Verband tritt dem Verband Ländlicher Genossenschaften der Provinz Westfalen als Mitglied bei.”